Grenzen der chemischen Kleinbildfotografie
20 Millionen Bildpunkte mit 35mm Farbnegativfilm ? Das es mit einem 25 ASA-Film ging ( Produktion seit 2000 eingestellt, siehe Kodak Ektar 25 Professional ) sieht man hier im FOTO-Beispiel. Kommentar vom Objektiv-Hersteller Zeiss hierzu Kurzer Vergleich von Canon-Vollformat mit Bildern
Mit 25 ASA Farbfilm konnte man aufgrund geringerer Körnigkeit nochmals bis um den Faktor 1,5 bessere Ergebnisse erzielen als mit 50 ASA Film (auch dieser ist vom europäischen Markt verschwunden, bekanntestes Beispiel war der Fuji Velvia). Allerdings nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Die reale Qualität eines analogen 20 MPixel-Bildes würde aber "nur" etwa 10-12 MPixeln einer digitalen Spiegelreflex entsprechen, etwa der Canon EOS 1 Ds (Die Auflösung ist höher, aber das Filmkorn zu sehen). Wobei die Canon aufgrund der viel höheren Lichtstärke den Riesenvorteil hätte diese Auflösung auch "aus der Hand", also ohne Stativ und auch bei bewegten Objekten, zu erreichen:
- Ausschließlich an sonnigen Tagen verwendbar ( viel Licht erforderlich )
- Sehr gute Festbrennweite (sehr teuer!)
- Blendeneinstellung auf Blende für größte Schärfe (Herstellerspezifisch, meist F5,6 oder F8, auf keinen Fall aber voll auf- oder abblenden )
- schweres Stativ ( um Verwackeln zu minimieren ) und Spiegel hochklappen (Spiegelschlag)
- 25 ASA Film optimaler Lagerung.
- Belichtungszeit möglichst klein ( um Verwacklungsunschärfe zu vermeiden )
|
Ganz wichtig: In der Praxis ist bei einer effektiven Auflösung von 50 Linienpaaren pro mm (lp/mm) meist Schluß wie sehr ausführlich HIER zu lesen ist ( 50 lp/mm entsprechen 8,6 Mio. Bildpunkten - die Angelsachsen verwenden das "lines per mm" synonym für lp/mm ). Bei vielen aufgenommenen Bildern kommt das Eine oder Andere aber auch an die 60 lp/mm heran ( entspricht 12,4 Mio. Bildpunkten) . Das hat viele Gründe. Unter anderem ist der Autofocus meist nur bis 50 lp/mm ausgelegt, viele Objektive schaffen einfach nicht mehr oder Verwacklungen durch Spiegelschlag oder zu leichte Stative verhageln das Ergebnis. Da dies alles die Praxistauglichkeit, den Zeitaufwand und vor allem den finanziellen Aufwand enorm steigert, ist dieses Vorgehen nicht empfehlenswert. Viel einfacher ist es auf das nächst größere Filmformat zu wechseln und dabei auch noch viel Geld zu sparen ( selbst sehr günstige Objektive und wenig Zeitaufwand ergeben beim 6x7 Mittelformat schon über 20 Mio. Bildpunkte) !!! Der weitere Text ist aus diesem Grund nur für Puristen interessant, die schon immer alles ganz genau wissen wollten: |
Die Angaben der
analogen Fotografie, insbesondere der Herstellerangaben zu Filmen und
Objektiven treiben in diesem Punkt mit der Kontrastübertragungsfunktion (MTF =
Modulation Transfer Funktion) ein zweifelhaftes Spiel. Physikalisch korrekt
zwar, entsprechen die Werte dann aber in keinster Weise mehr den Bildpunkten
einer Digitalkamera, deren Stärke ja gerade der hohe Kontrast ist, den die
Analogfilm-Herstellerangaben extrem nach unten drücken, um so viel zu große lp/mm-Werte
(Linienpaare
pro Millimeter) veröffentlichen zu können: Siehe die
Schneider
Kreuznach Seiten (Abbildung 3). Exzellente
Optiken mit feinstkörnigen (25 ASA) Filmen bilden eigentlich sehr selten mehr
als 75 lp/mm ab: Siehe
Schneider
Kreuznach (6 Absätze oberhalb von Abb. 3), was
in etwa 20 Millionen Bildpunkten entspricht ( 150 x 150 x 36 x 24 = 19.440.000
). Nur dieser Wert entspricht einem realistischen Vergleichsmaßstab für digitale
Kameras. Wenn die MTF aber in Kontrastverhältnisse ausgedehnt wird, die
Hersteller so gerne in Ihre Prospektangaben drucken, dann ist selbstverständlich
auch eine Rechnung gestattet, die 100 Millionen Bildpunkte möglich erscheinen
läßt. Das sind dann aber keine scharfen Konturen,
sondern tendiert mehr in Richtung Beugungsmuster... und hat dann nichts mehr mit
einem Vergleich zu Digitalkameras gemein.
Beispiele für Datenblätter von Farbfilmen mit MTF-Grafiken. Entscheidend für
einen Vergleich mit Digitalkameras ist der Bereich von 70-95 % der
Modulationsübertragung, je nach Art des Diagramms ( einige erscheinen etwas
geschönt, selten wird untertrieben - aber auch das kommt vor. ). Vorsicht ist
immer angeraten, wenn ein MTF-Diagramm für einen hochempfindlichen Film
eigentlich viel zu hohe Auflösungen erwarten lässt. Die Hersteller entwickeln
ihre Filme zwar ständig weiter, aber nach über 100 Jahren Entwicklung sind die
Verbesserungen naturgemäß nicht mehr wirklich weltbewegend. In
Kodak-Datenblättern der "Select-Series" liest man beispielsweise: "Royal
Gold Filme sind so gut, das sie nur in Cameras mit hervorragenden Objektiven
ihre beste Leistung zeigen können". Kodak kann sich diese Aussage erlauben, denn
der legendäre KODAK Royal Gold 25 Film (der sogar explizit erwähnt wird) war
einer der auflösungsstärksten (Farb)-Filme aller Zeiten. Sogar nach den hier
angelegten strengen Maßstäben bis über 20 Millionen Bildpunkte nach
Digitalkameraäquivalent. Das allerdings nur mit absoluten Spitzenobjektiven wie
von Leica. Siehe unten.
KODAK vergißt nur zu
erwähnen das dieser Film, ebenso wie die gleichfalls exzellente 50 ASA-Version,
nicht mehr hergestellt wird. Der Durchschnitts-Hobby-Fotograf mit seinen
lichtschwachen Zoomobjektiven kann mit solchen Filmen, die noch dazu auch noch
das Dreifache kosteten, nichts mehr anfangen. Den
Auflösungsvorteil
konnte man aber mit einem handelsüblichen japanischen 50mm-Marken-Normalobjektiv
sehr wohl auch schon ausnutzen, wenngleich auch nicht vollständig. Die
Vergleichssituation wird ambitionierten Analogfotografen insbesondere dadurch
erschwert, das tägliche Vergleiche zwischen Filmen/Optiken/Kameras eigentlich
nicht direkt möglich sind, da das immer zumindest eine halbe Stunde im
chemiegeschwängerten Labor vorraussetzen würde ( Nur wenn der qualitativ
kritische Laborbereich in den eigenen Händen liegt ist ein fundierter Vergleich
möglich ). Der Digitalfotograf, der ja teils sogar die gleichen Optiken
benutzt, macht das quasi nebenbei mit einigen Mausklicks... Digitale Fotos
werden am besten anhand von Digitalprints (mit sehr guten 7-Farb-
Fototintenstrahldruckern oder Laserbelichtern) verglichen. Am Bildschirm kommen
bestimmte Unterschiede nicht immer so deutlich heraus. Vergleiche
sind natürlich schwierig, denn wer hat schon ein eigenes, richtig gutes Labor
und einen wirklich hochwertigen Scanner um Vergleiche anzustellen. Ich empfehle
deshalb einen
Vergleich (aus dem
übersetzt sich hier einiges wiederfindet) den der Fotograf Michael Reichmann
zusammen mit Thomas Knoll ins Internet gestellt hat. Thomas Knoll ist der erste
Autor von Photoshop... Die extrem hohen Auflösungswerte,
die manchmal für 35mm Film genannt werden ( über 30 Millionen Bildpunkte )
beziehen sich ausschließlich auf Spezialfilme. Es handelt sich um sogenannte
Lith- oder Strichfilme. Das sind Schwarz/Weiß-Filme niedrigster Empfindlichkeit
( 6 ASA ! ). Diese Filme geben nahezu keine Graustufen wieder, nur schwarz oder
weiß. Dafür haben sie eine Schärfe, die schon sprichwörtlich ist (sogenannter
Agentenfilm). Sie sind nicht für Fotos geeignet, nur für Texte und
Riß-Zeichnungen.
Limitierender Faktor hierbei ist das Objektiv: Bei den meisten Hobbyausrüstungen ist selbst das 50 mm Normalobjektiv dafür nicht geeignet !
Mit einem 25 ASA Farb-Film geht es also doch bis 20 MPixel, aber das ist eigentlich nur praxisnah wenn das verwendete Objektiv mindestens 75 lp/mm auflöst - das schaffen nur sehr gute (und sehr teure) Festbrennweiten - selbst japanische 50mm Markenobjektive haben da Probleme ! - und mit feinstkörnigem Film. Die Spitze markieren objektivseitig Festbrennweiten von Herstellern wie Leica. Die kommen auf um die 90 lp/mm (entspechend knapp 30 MPixel).
Im Filmsektor waren früher vor allem
die 25 ASA Kodakfilme (Kodak Royal Gold 25) die Auflösungskönige. Es gab noch
früher wohl auch 12 ASA Farbfilme (Kodachrome), hatte aber nie einen solchen im
Laden gesichtet, geschweige denn in der Kamera. Man konnte unter
Realbedingungen in der Tat über 20 Millionen Bildpunkte auf die belichtete
Fläche zaubern - Allerdings nur bei der Verwendung solch hochpreisigen
Equipments wie z.B. eines Leica 80 mm Porträtobjektivs. Schlußendlich sollte man
einen ganzen Film belichten, evtl. mit verschiedenen Belichtungen und
leichten Veränderungen der Schärfeeinstellungen. Wenn die Ausrüstung hochwertig
ist bekommt man zumindest ein paar Bilder in der Nähe der theoretischen
Höchstauflösung. Bei digitalen Kameras ist das ja meist kein Problem, da das
Ergebnis unmittelbar vorliegt... Wenn es aber um den Gesamt-Bildeindruck
geht, dann ist eine 10 MPixel-Aufnahme Digital vergleichbar der 20
MPixel-Aufnahme Analog von oben, da das Korn des Films gerade in Flächen wie dem
blauen Himmel den natürlichen Eindruck verschwinden läßt. Spielarten wie
creative
Nutzung des Filmkorns mögen interessant aussehen, aber in Zeiten von Photoshop
hat man digital eher noch mehr Möglichkeiten (und eine kornfreie Vorlage noch
dazu...).
Meßwert-Verwirrung: Die in vielen Tabellen (auch der Hersteller) genannten Auflösungswerte von Objektiven (in lp/mm = Linienpaare pro Millimeter) liegen öfter um ein mehrfaches (!) über den obigen Angaben. Im rein physikalischen Sinn und für einzelne Testbilder oder Versuchsaufbauten mag das zutreffen, nicht jedoch für die Abbildungsleistung, die ein realistisches Foto in der Praxis erfordert. Deutlich wird dies besonders beim Vergleich Filmscan / Digitale Spiegelreflexkamera. Das gleiche gilt für Auflösungswerte von Filmen. Die genannten Werte iin Datenblättern der Filmhersteller sind lediglich physikalisch korrekt, lassen aber in keinster Weise eine Ermittlung absoluter Auflösungswerte, d.h. Bildpunkte, zu. Insbesondere die sogenannten "Kontaktabzüge" nicht. Dabei wird ein in Glas geritztes Muster direkt auf den Film gelegt und das ganze belichtet. Die dabei gemessenen Werte sind zwar atemberaubend, aber in der Praxis (d.h. mit Objektiv) nicht nachzuvollziehen...
Objektivbeschränkungen: Die Digitalkameras mit wirklich kleiner Baugröße bekommen objektivseitig schon Auflösungsprobleme ab etwa 4 MPixeln. Die aktuellen Prosumer-Kameras, wie die Canon Pro1 / Nikon 8700 / Sony 828 haben aber recht ordentliche Objektive, was auch an der Größe zu erkennen ist. Probleme wie Farbsaumbildung, insbesondere die "lila Kanten" der Sony, scheinen aber eher mit nicht ausgereifter Signalaufbereitung im Zusammenhang mit dem neuen 4-Farb-Filter begründet zu sein.
Spiegelreflexkameras (SLRs) lösen mehr als etwa 10-12 MPixel nur mit exzellenten Festbrennweiten auf - selbst beste Zooms, wie die ???L-Serie“ von Canon, z.B. das
Canon 28-70mm f/2.8L kommen "nur" auf ca. 61 lp/mm ( entspricht etwa 13 MPixel ) .... obwohl der pekuniäre Einsatz hierbei ( etwa 1000 US $) recht ruinös ist... Da in der analogen Fotografie aber überwiegend Filme von 100 - 400 ASA verwendet werden, die ja nur 4-6 MPixel auflösen können (was im Übrigen der Auflösungsgrenze vieler "niedrig"-preisiger Zoomobjektive entspricht), spielt das dort aber auch keine Rolle. Das muß auch kein Fehler sein, denn wer immer nur maximal 13x18 Prints bestellt, braucht effektiv auch nicht mehr.Bei den neuen digitalen Modellen wie der
Canon 1Ds (11 MPixel) und der Kodak DCS Pro 14n (14 MPixel) sieht aber alles anders aus - Diese Modelle verlangen geradezu nach den besten auf dem Markt verfügbaren (Zoom)-Objektiven, denn der Sensor hat auch bei der 200 oder 400 ASA Einstellung noch fast kein Bildrauschen und somit die volle Auflösung. Das macht diese Ausrüstung natürlich noch teurer und unbezahlbarer für Hobbyfotografen, dummerweise...In der Literatur findet man meist Werte zwischen 4 und 10 Millionen Bildpunkte als Äquivalent zu digitalen Kameras. Nach der Vergleichsrechnung in der c´t 13/2003 sind es zum Beispiel effektive 8,6 MPixel bei einem Potential des Films von (rein theoretischen) 35 MPixel, der aber u.a. durch die Qualität des Objektivs sehr stark limitiert wird. Bei guten Festbrennweiten an Spiegelreflexkameras ist die dabei vorausgesetzte Abbildungsqualität von 50 Linienpaaren/mm durchaus realistisch. Möglich sind aber auch nur die Hälfte der Auflösung bei billigen Zoomobjektiven (4 MPixel) oder das Dreifache (über 20 MPixel) bei den besten auf dem Markt verfügbaren Festbrennweiten, z.B. dem Leica SUMMILUX-R 1:1,4/80 mm (Listenpreis knapp 3000 Euro) . Die besten Zooms, wie das Canon 28-70mm f/2.8L (ca. 1000 Euro) kommen auf ca. 61 lp/mm, was etwa 13 MPixel entspricht. Die Leistung des extrem teuren Leica Portraitobjektivs läßt sich heute aber leider nicht mehr vollständig ausnutzen, da die höchstauflösenden 25 ASA Filme seit 2000 nicht mehr hergestellt werden.
Laborarbeiten: Leider lässt sich die Auflösung des Kleinbildfilmes öfter nur zu einem Teil ausnutzen, da die üblichen Großlaborabzüge eine zum Teil miserable Qualität aufweisen. Ein Din A4-Ausdrück ab 3 Mio. Pixel mit einer adäquaten Fotospritze bringt manchmal sogar bessere Resultate. Das liegt wie gesagt NICHT am KB-Format, sondern am Labor. Mir sind schon desöfteren Abzüge aus dem Großlabor untergekommen, wo nicht erkennbar war das eine gute Spiegelreflexkamera benutzt wurde. Es sah im Gegenteil nach Einwegfoto aus. Der subjektiv ärgerlichste Fehler ist die Farbverfälschung (meist zu flaue Farben) und fehlender Kontrast (Konturunschärfe). Selbst Filmhersteller räumen ein, das die Qualität eines Abzugs zu 80 % am Labor hängt. Den Rest teilen sich die Qualität von Film und Kameraausrüstung. Es ist also Unsinn die Filme einer teuren Leica im Fotogeschäft abzugeben, wenn das Ganze sowieso im Großlabor landet. Abhilfe: Handabzüge im Fachlabor ( ab ca. 140 Euro der Quadratmeter, leider, leider.... ) oder man findet ein gutes MiniLab in der Nähe - und selbst da bekommt man bei 3 Aufträgen des gleichen Negativs drei farblich (leicht) verschiedene Abzüge. Selbst günstige Fototintenstrahldrucker im Zusammenspiel mit dem Farbkalibrierungstool (etwa von Photoshop) können das besser. Das ist einer der Gründe für viele Magazine auf digitale Fotografie umzustellen.
Diafilm: Der einzig wahre Weg um Fotos mit höchstmöglicher Auflösung und mit hoher Brillanz bei gleichzeitig relativ geringem finanziellem Aufwand zu genießen. Leider stören mitunter Fussel, Haare oder Staub das Vergnügen. Tipp für Diafans: Die Bilder möglichst beim Hersteller des Films entwickeln lassen (auch wenn es etwas länger dauert), so ist beste Qualität gesichert. Und bitte die Finger von billigen Zooms lassen, am besten nur mit guten Festbrennweiten und feinkörnigem Film, z.B. mit Fuji Velvia Diafilm 50 ASA arbeiten - auf der Leinwand sieht man den Unterschied sofort.
Weiter in die Tiefe gehende Links (Für alle, die immer noch nicht genug haben ;-) :
http://www.schneiderkreuznach.com/knowhow/digfoto.htm
http://www.schneiderkreuznach.com/knowhow/opt_quali.htm
http://www.photodo.com/art/Reso8.shtml
http://www.photozone.de/3Technology/mtf.htm
http://www.kenrockwell.com/tech/filmdig.htm
http://www.kenrockwell.com/tech/mpmyth.htm
http://medfmt.8k.com/mf/filmwins.html
http://www.clarkvision.com/imagedetail/index.html